Dass die Mehrheit der Wienerinnen und Wiener im Frühjahr für eine Lösung in Sachen Hausbesorger „Neu“ votiert haben ist bekannt. Gestern, Donnerstag 02.09.2010, präsentierte Vizebürgermeister und Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig die ersten, vorerst acht, HausbetreuerInnen, die noch im September ihren Dienst antreten werden. Kommen werden die neuen HausbetreuerInnen dort, wo die Mehrheit der Mieterinnen und Mieter es wünscht, womit auch ein weiterer Stein für die Mietermitbestimmung gelegt. Die Vereinigung der Wiener Mieterbeiräte begrüßt diesen Schritt.
Die Aufgaben der neuen Wiener HausbetreuerInnen im Überblick:
- Fachgerechte Reinigung der zugeordneten Bereiche
- Eingeschränkter Winterdienst und Meldung von Schneefall an die Einsatzzentrale, Durchführung von Sofortmaßnahmen bei Gefahr in Verzug
- Kontrolle der Wohnhausanlagen und Meldung eventueller Schäden an die Eigentümerin Wiener Wohnen
- Durchführung einfacher Kleinreparaturen oder Unterstützung des Technikteams zur Durchführung von größeren Reparaturarbeiten
- Lagerverwaltung und Materialanforderung
- direkte AnsprechpartnerInnern mit fixen Sprechstunden für MieterInnen und MietervertreterInnen und damit die Kommunikationsschnittstelle zur Hausverwaltung Wiener Wohnen
- Entgegennahme und Weiterleitung von Anfragen, Wünschen und Anregungen der MieterInnen an die Hausverwaltung
- Einführung von NeumieterInnen in der Wohnhausanlage
- Konfliktmanagement

(Vizebürgermeister Michael Ludwig mit zwei neuen HausbetreuerInnen)
Informationen für MieterInnen und BewerberInnen:
Wiener Wohnen Haus- & Außenbetreuung GmbH
Landstraßer Hauptstraße 99/1/3A
1030 Wien
www.hausbetreuung-wien.at/
Servicenummer: 0800 80 80 27
von Christopher Maurer
Vizebürgermeister Stadtrat Michael Ludwig geht im Herbst nach Plan B vor, sollte die Bundes-ÖVP dem Hausbesorgergesetz nicht zustimmen. Eine Zustimmung der ÖVP scheint zur Zeit nicht absehbar zu sein, da seitens der Volkspartei zusätzliche Privilegien und erhöhte Kosten für die MieterInnen befürchtet werden. Für Vizebürgermeister Michael Ludwig ist das nicht nachvollziehbar. Er hält es für „zynisch“, wenn ein durchschnittliches Nettogehalt von 1.140 EUR von der ÖVP als “Privileg” dargestellt werde. Eine Dienstwohnung sei übrigens nicht beinhaltet.
Auch die von der ÖVP propagandierten erhöhten Kosten für die MieterInnen würden jeglicher Grundlage entbehren. So würden Hausbesorger nicht mehr kosten, als eine private Reinigungsfirma. Ein Vorteil für die MieterInnen wäre außerdem die ständige Erreichbarkeit eines Hausbesorgers.
“Wir sind den WienerInnen im Wort,” ergänzt Michael Ludwig. Bei der Volksbefragung im Februar haben sich 84 Prozent der Beteiligten für ein neues Hausbesorgergesetz ausgesprochen. Es müsse daher rasch gehandelt werden.
Sollte es zu keiner bundesweiten Lösung kommen, so werde man Hausbesorger, dem Wunsch der MieterInnen entsprechend, dort einführen, wo man genügend Einfluss habe. So im Gemeindebau oder in Genossenschaften, in welchen eine hohe Bereitschaft zur Einführung besteht.
Die offiziellen Ergebnisse der Volksbefragung “Wien will´s wissen!” liegen vor. Und einige davon sind durchaus überraschend. Da ist zuerst einmal die Beteiligung der Wienerinnen und Wiener. Mit knapp 36 % war sie die zweithöchste in der Geschichte der Wiener Volksbefragungen. Das belegt recht eindrucksvoll das Interesse der Bevölkerung an den abgefragten Themen und ließ letztlich auch die Kritiker der Volksbefragung verstummen. Zweiter Punkt: Das mehr als nur deutliche Ergebnis bei der Frage “Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit geschaffen wird, neue HausbesorgerInnen (mit modernem Berufsbild) einzustellen?” 81,67 % sagten Ja zur Wiedereinführung des Hausbesorgerberufes. Im Jahr 2000 wurde das Hausbesorgergesetz abgeschafft, ohne die Bevölkerung zu fragen. Zehn Jahre später hat sie dennoch geantwortet. Nun ist es Sache des Bundes aus dieser Antwort die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Langsam kommt Schwung in die Diskussion rund um die Wiener Volksbefragung vom 11.-13. Februar 2010. Die Stadt Wien hat eine eigene Website eingerichtet, die es Interessierten ermöglicht, im Vorfeld der Volksbefragung öffentlich zu den einzelnen Fragen Stellung zu nehmen. Besonders interessant aus Sicht von Mietervertretern: Die Debatte zur Frage, ob wieder die Möglichkeit geschaffen werden sollte, Hausbesorger zu beschäftigen.
Link: Wien will´s wissen!
von Manfred Domschitz
Vom 11. bis zum 13. Februar findet in Wien eine Volksbefragung statt. Fünf Fragen werden dabei gestellt. Gleich die erste lautet: “Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit geschaffen wird, neue HausbesorgerInnen (mit modernem Berufsbild) einzustellen?”
Der Hintergrund: Im Jahr 2000 schaffte die damalige schwarz-blaue Regierungsmehrheit das Hausbesorgergesetz ersatzlos ab. Über die Beweggründe kann man nur spekulieren. Die Auftragslage der Reinigungsunternehmen hat sich dadurch jedenfalls nicht verschlechtert. Was bei der Diskussion aber meist übersehen wird: Auch vor Abschaffung des Hausbesorgergesetzes gab es keine Verpflichtung des Hauseigentümers, einen Hausbesorger zu beschäftigen. 2000 wurde aber selbst die Möglichkeit (!) beseitigt. Es wurde also ein ganzer Beruf – manche nannten ihn sogar eine “Wiener Institution” – schlichtweg verboten. Ein im Grunde beispiellos merkwürdiger Vorgang. Hauptbetroffen von der neuen Rechtslage war die Stadt Wien mit ihren 220.000 Gemeindewohnungen und ihren damals 4.000 Hausbesorgerdienstposten, die von einem Tag auf den anderen nicht mehr nachbesetzt werden konnten.
Wenn heute von verschiedenen Seiten behauptet wird, dass es der Stadt Wien jederzeit möglich wäre, in den Gemeindebauten Hausbesorger zu beschäftigen, so ist das schlicht falsch. Denn das wesentliche Kriterium, das den Hausbesorger von einem “Hausbetreuer” unterschied, war seine – im Hausbesorgergesetz geregelte – Dienstwohnung innerhalb der Wohnhausanlage. Erst die Tatsache, dass der Hausbesorger im Haus wohnte, machte ihn zu jenem Ansprechpartner, den sich heute viele Mieter wieder zurück wünschen.
Keine Frage: Es gibt auch sehr viele, die das anders sehen. Nicht alle Hausbesorger sind schließlich als Heinzelmännchen in die Geschichte eingegangen. Da unterscheiden sich die Hausbesorger nicht von anderen Berufsgruppen. Die Entscheidung “Hausbesorger: Pro oder Contra?” lässt sich mit Einzelbeispielen nicht sinnvoll treffen. Die eigentliche Frage lautet: Sollen die Mieter in Hinkunft wieder zwischen Hausbesorgern und Reinigungsdiensten wählen können, oder sollen sie weiterhin dazu gezwungen sein, die Hausbetreuung externen Firmen zu überantworten? Betrachtet man es so, dann kann man als Mieter bei der Volksbefragung eigentlich nur mit Ja abstimmen.
